Region braucht mehr Forschung

Nordwesten hat Zukunftspotenzial, aber auch einige Baustellen

MT-Artikel vom 11. März 2015

Thema Zukunft: In Cloppenburg diskutierten Vertreter von Banken (Raiffeisenbank Garrel eG - Herr Ludger Ostermann, 3. von links) Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Die Leitung hatte NDR-Moderator Ludger Abeln.

Genossenschaftsverband Weser-Ems diskutiert mit Vertretern über die Zukunft des Nordwesten

Die Region Weser-Ems hat Forschungsdefizite. Darin waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion in der Stadthalle Cloppenburg weitgehend einig. Eingeladen hatte der Genossenschaftsverband Weser-Ems.

Dass Cloppenburg und Vechta allerdings zukunftsfähig sind, stand für die Diskutanten außer Frage. Belegen ließ sich dies auch mit aktuellen Zahlen des Wirtschaftsinstitut prognos. So rechnet Statistiker Holger Bornemann bis zum Jahr 2030 mit einem weiteren Bevölkerungsanstieg in beiden Landkreisen. In Vechta nimmt sie gegenüber heute um 15, in Cloppenburg um rund 11 Prozent zu. Auch die Überalterung setzt langsamer ein, als in anderen Teilen Deutschlands. Ein Schwachpunkt sei allerdings die relativ geringe Anzahl an hochqualifizierten Jobs sowie die mangelhafte Innovationsleistung. "Sie zu steigern ist die größte Herausforderung für die Zukunft", betonte Bornemann, der dazu riet, in die Stärken der Region zu investieren. Wichtigster Wirtschaftszweig bleibe demnach die Agrar- und Ernährungsbranche. Sie beschäftige im hiesigen Raum fünfmal mehr Arbeitskräfte als in ganz Deutschland. Bornemann plädierte auch für eine gesteuerte Zuwanderung, ohne die der Fachkräftemangel kaum auszugleichen sei.

Für mehr Forschung setzt sich auch die Präsidentin der Uni Vechta, Prof. Dr. Maria Assenmacher ein. "Im Vergleich zu Südostniedersachsen sind wir da schwach aufgestellt. Wir brauchen zusätzliche Institute, die aber zu den Schwerpunkten im Nordwesten forschen", sagte die Hochschullehrerin. Mehr Bildung als Schlüssel zum Wachstum? Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg wies auf die neuen gymnasialen Angebote im Landkreis hin, schränkte aber zugleich ein. "Das Abitur ist nicht alles. Wir müssen auch an unser Handwerk denken". Ähnlich sah es Dr. Henning Müller von der Handwerkskammer Oldenburg. Um die duale Ausbildung zu erhalten, müsse sie auch in den Gymnasien bekannt gemacht werden. Dass die hiesigen Unternehmen weniger forschungsfreudig sind, als anderswo, kann er nicht feststellen. "Sie melden vielleicht nicht so viele Patente an, sondern bringen Neuentwicklungen lieber sofort auf den Markt, um Geld zu verdienen." Und einige würden dadurch sogar zu Marktführern.